Greenwashing in der US-Metallindustrie?

Durch die Kombination von Satellitendaten und webAI Informationen entwickelte ISTARI.AI eine Methodik zum Nachweisen von Greenwashing in der US-Metallindustrie.
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Jan Kinne

Durch die zunehmenden Konsequenzen des Klimawandels und politische Bewegungen wie „Fridays For Future“, hat das Thema Nachhaltigkeit in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Eine besonders große Berücksichtigung im kollektiven Diskurs erfährt die Emission von Schadstoffen und die damit einhergehende Luftverschmutzung.  Eine der gesundheitsschädlichsten Substanzen ist dabei Schwefeldioxid (SO2). Das Gas wird unter anderem durch Prozesse in der Metallindustrie freigesetzt und ist ein Auslöser für Feinstaubbildung und sauren Regen.

Sozialer Druck und die Notwendigkeit eines „grünen Images“ führen dazu, dass sich viele Unternehmen als besonders engagiert im Bereich „Nachhaltigkeit“ präsentieren. Unter „Greenwashing“ versteht man in diesem Kontext die Diskrepanz zwischen der positiven Eigendarstellung eines Unternehmens und dessen tatsächlicher Umweltbelastung. Unternehmen, die Greenwashing betreiben, legen also viel Wert auf ein grünes Image, ohne tatsächlich effektive Maßnahmen umzusetzen, die mit hohen Kosten verbunden sein können. Eine Schwierigkeit besteht allerdings darin, ein solches Greenwashing zu detektieren. Hierfür entwickelte ISTARI.AI in Kooperation mit Forschern der Universität Salzburg, der Universität Heidelberg, der Universität Gießen, des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung und der Harvard University einen innovativen Ansatz. Die Eigendarstellung der Unternehmen anhand ihrer Websites wird dabei mit global verfügbaren Schadstoffdaten des Sentinel 5-Precursor-Satelliten in Verbindung gesetzt.

Mit der ISTARI webAI untersuchten wir hierfür die Webseiten von etwa 9.500 Unternehmen der US-Metallindustrie und klassifizierten die Eigendarstellung der Unternehmen in zwei Kategorien: „nachhaltige“ Unternehmen und „nicht nachhaltige“ Unternehmen. Insgesamt wurden so 760 Unternehmen als „nachhaltig“ klassifiziert (8,1 %) und 51,3% als „nicht nachhaltig“. Weitere 40,6% der Unternehmen der US-Metallindustrie besitzen keine eigene Website und wurden demnach nicht von webAI bewertet. Die untenstehende Karte zeigt beispielhaft die Verteilung der „nachhaltigen“ und „nicht-nachhaltigen“ Metallindustrie im Nordosten der USA. Es wird deutlich, dass es einige „Hotspots“ mit einem hohen Anteil nachhaltiger Unternehmen gibt, vor allem im Norden von Chicago, aber beispielsweise auch in Pittsburgh und Buffalo.

Im Abgleich mit den Satellitendaten zeigte sich, dass die in der Selbstdarstellung nachhaltige Metallindustrie tatsächlich einen geringeren Einfluss auf lokale SO2-Konzentrationen hat als die „nicht-nachhaltigen“ Unternehmen. Daraus folgerte das Forscherteam, dass es in der Tat keine Hinweise auf ein systematisches Greenwashing in der US-Metallindustrie gibt. „Diese Aussage bezieht sich jedoch auf die gesamte Industrie und nicht auf einzelne Unternehmen. In Einzelfällen wird es sicherlich zu Greenwashing kommen“, sagt Sebastian Schmidt, Hauptautor der Studie.

Die Entwicklung und Bereitstellung von detaillierten und aktuellen Unternehmensinformationen zum Thema „Nachhaltigkeit“ wird bei ISTARI.AI weiter ausgebaut. „Im Moment arbeiten wir daran, europaweit Unternehmen hinsichtlich ihrer Positionierung zum Thema Nachhaltigkeit bewerten zu können. Dabei setzen wir auf unsere multilinguale webAI, die über 100 Sprachen verarbeiten kann. Die Ergebnisse testen wir aktuell in Kooperation mit der OECD. Auch die Verknüpfung mit satellitenbasierten Messwerten wird Bestandteil der ISTARI webAI werden“, sagt ISTARI Gründer Dr. Jan Kinne.

Mehr Informationen zu unserem Projekt finden Sie in folgender Publikation: https://ftp.zew.de/pub/zew-docs/dp/dp22006.pdf

Schmidt, S.; Kinne, J.; Lautenbach, S.; Blaschke, T.; Lenz, D. & Resch, B. (2022): „Greenwashing in the US metal industry? A novel approach combining SO2 emissions from satellite data, a plant-level firm database and web text mining.“

Autor: Sebastian Schmidt