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Aufspüren und Erkunden von Unternehmensnetzwerken

Jan Kinne und Miriam Krüger

Unternehmen, wie alle Wirtschaftsakteure, hinterlassen in zunehmendem Maße digitale Spuren ihrer Aktivitäten. Der Digital Layer Ansatz nutzt diese Datenquellen und bietet eine alternative Methode zur Analyse von Unternehmensnetzwerken. Mit der Integration des Digital-Layer-Ansatzes in webAI steht unseren Kunden ein neues Werkzeug zur Erfassung und Analyse von Unternehmensnetzwerken zur Verfügung.

20. Februar 2021

Grad der Innovation
mehr als 600.000 Unternehmen in Deutschland
etwa sieben Millionen
Hyperlink-Verbindungen

TL;DR: Digital Layer ist eine alternative Methode zur Analyse von Unternehmensnetzwerken. Anders als bisherige Ansätze nutzt sie digitale Massendaten, um Unternehmensnetzwerke zu identifizieren und zu analysieren. Ein effektiv vernetztes Unternehmen kann auf ein breites Spektrum an Wissen zurückgreifen, von seinen Partnern lernen, vorhandenes Wissen einbringen und so Innovationen generieren.

Unternehmen, die gut vernetzt sind, sind innovativer

Vor fünfundzwanzig Jahren prägte der Soziologe Manuel Castells den Begriff der Netzwerkgesellschaft. In diesem Zusammenhang werden die Gesellschaft und der technologische Fortschritt in hohem Maße durch Wissensströme in Netzwerken geprägt. Wer Zugang zu relevanten und wertvollen Informationen hat, kann daraus neues, komplexeres Wissen und Know-how generieren und ist besser in der Lage, sich auf dem Markt zu behaupten. Diese Rekombination von bereits vorhandenem Wissen zu etwas Neuem wird als Innovation bezeichnet. Für Unternehmen bedeutet dies, dass ihre Innovationsfähigkeit und letztlich ihre Wettbewerbsfähigkeit davon abhängen, inwieweit sie über ihr individuelles Netzwerk Zugang zu Informationen und technologischem Know-how haben.

Anders als in der Vergangenheit liegt der Schwerpunkt heute nicht mehr nur auf dem unmittelbaren physischen Unternehmensstandort, der es den Unternehmen ermöglicht, Verbindungen und Wissensflüsse mit anderen lokalen Akteuren herzustellen. Neben solchen lokalen Business-Clustern spielt in einer globalisierten Welt auch die Einbettung eines Unternehmens in regionale, nationale und internationale digitale Netzwerke eine immer wichtigere Rolle. Ein gut vernetztes Unternehmen kann auf ein breites Spektrum an Wissen zurückgreifen, von seinen Partnern lernen, vorhandenes Wissen einbringen und so Innovationen generieren

Die Wissenschaft untersucht seit vielen Jahren, wie sich innovative Unternehmen vernetzen, auch im Vergleich zu weniger innovativen Unternehmen. Nehmen innovative Unternehmen eine zentralere Position in ihren Netzwerken ein? Was ist die richtige Mischung aus lokalen und überregionalen Beziehungen? Um diese Fragen zu beantworten, sind die Forscher auf Daten angewiesen, die formelle und informelle Verbindungen zwischen Unternehmen abbilden - und das möglichst dynamisch über einen längeren Zeitraum, um Veränderungen und Trends ableiten zu können.

Digital Layer deckt Unternehmensnetzwerke auf
Seit Jahrzehnten werden zu diesem Zweck vor allem Patentdaten genutzt. Mit Hilfe von Patentdatenbanken können Forscher Verbindungen zwischen patentierenden Unternehmen identifizieren und analysieren. Diese Art von Netzwerken spiegelt jedoch nur einen kleinen und sehr spezifischen Teil des gesamten Innovationssystems wider. So sind Patente für bestimmte Wirtschaftszweige wie die Softwareindustrie weit weniger relevant als beispielsweise für die Pharmaindustrie und können kaum zur Überwachung der dortigen Wissensströme herangezogen werden.

Der Ansatz "Digital Layer" wurde von Miriam Krüger und ihren Kollegen als alternative Methode zur Analyse von Unternehmensnetzwerken vorgeschlagen (Krüger, Miriam, Jan Kinne, David Lenz und Bernd Resch, 2020, The Digital Layer: How Innovative Firms Relate on the Web) und wird von istari.ai weiterentwickelt. Im Gegensatz zu bisherigen Ansätzen nutzt es digitale Massendaten zur Identifikation und Analyse von Unternehmensnetzwerken. Unternehmen hinterlassen, wie alle anderen Wirtschaftsakteure auch, zunehmend digitale Spuren ihrer Aktivitäten. Dies kann in Form von Posts auf Social-Media-Plattformen, Hinweisen in Nachrichtenartikeln oder auf der unternehmenseigenen Website geschehen. Diese "digitale Schicht" kann genutzt werden, um Beziehungen zwischen Unternehmen zu erkennen und die so aufgedeckten Netzwerke zu untersuchen. Die folgende Abbildung zeigt beispielsweise die Standorte von mehr als 600.000 Unternehmen in Deutschland, ihren Innovationsgrad(berechnet mit webAI InnoProb) und rund sieben Millionen Hyperlink-Verbindungen zwischen ihren Unternehmenswebseiten.

Quelle: Krüger et al. 2020.

Bild1: Digitaler Layer für Deutschland: Standorte und InnoProb-Scores für über 600.000 Unternehmen in Deutschland und Berlin (oben); rund sieben Millionen ermittelte Hyperlink-Verbindungen zwischen Unternehmens-Websites in Deutschland und Berlin (Mitte); nationales und regionales Hyperlink-Netzwerk eines einzelnen Unternehmens (unten). Quelle: Krüger et al. 2020.

Wie können Unternehmen eine optimale Vernetzung erreichen?

Unternehmen verlinken aus verschiedenen Gründen auf die Websites anderer Wirtschaftsakteure. So nennen Unternehmen auf ihrer eigenen Website häufig Referenzkunden und setzen dann meist auch einen Hyperlink auf deren Website. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinieren Krüger und ihre Kollegen diese Hyperlinks mit den zugehörigen Webtexten, um auch die Qualität der bestehenden Hyperlinks zu bewerten. "Nicht nur das Vorhandensein eines Links zwischen zwei Unternehmen ist entscheidend, sondern auch die Qualität des Links", erklärt Miriam Krüger. "Wie wichtig ein Partner für ein Unternehmen ist, kann zum Beispiel davon abhängen, welche anderen Verbindungen das Unternehmen bereits unterhält und ob diese neue Verbindung das Portfolio eines Unternehmens sinnvoll erweitert."

Eines dieser Kriterien ist zum Beispiel das Potenzial, voneinander zu lernen. Also die Frage, ob aus dieser Verbindung neue, produktive Neukombinationen von Wissen und technologischem Know-how hervorgehen werden. "In der Wissenschaft spricht man hier von der optimalen kognitiven Distanz. Liegen die Wissensbasen zweier Akteure zu weit auseinander, können sie zwar viel voneinander lernen, aber im schlimmsten Fall ist der Abstand zu groß, so dass sie sich nicht verstehen. Liegen die Wissensbasen zu nahe beieinander, ist die Kommunikation zwar einfach, aber das ausgetauschte Wissen unterscheidet sich kaum. Es gibt also, wie so oft, eine goldene Mitte", sagt Miriam Krüger.

Durch die Integration des Digital-Layer-Ansatzes in webAI - unser KI-basiertes System zur Auswertung von Webdaten und Bereitstellung von Markt- und Unternehmensinformationen in Echtzeit - erhalten unsere Kunden ein neues Werkzeug zur Erfassung und Analyse von Unternehmensnetzwerken. So lassen sich mit webAI regionale, überregionale und sogar internationale Unternehmensnetzwerke und Keyplayer identifizieren. Ein Beispiel hierfür ist die untenstehende Abbildung, die die Netzwerkverbindungen von Unternehmen aus den Regionen Ostwestfalen-Lippe und Heilbronn zeigt. Ein weiterer Anwendungsfall ist die gezielte Analyse einzelner Unternehmensnetzwerke, der Vergleich mit Netzwerken anderer Unternehmen sowie die Ableitung von zielgerichteten Handlungsempfehlungen. [/ vc_column_text] 

Bild: Digitaler Layer für die Regionen Heilbronn (oben) und Ostwestfalen-Lippe (unten)

Bilder: Digitaler Layer für die Regionen Heilbronn (oben) und Ostwestfalen-Lippe (unten)

1 Krüger et al. 2020: http://ftp.zew.de/pub/zew-docs/dp/dp20003.pdf 

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